Project: Kosovo
Projektbeginn: 2000
Zielgruppe: Kinder und Familien in Gjakova und Pristhina
Angebote: Kinder- und jugendpsychiatrische Behandlung und Beratung in Kooperation mit der Universität Pristhina. Aus- und Weiterbildung von lokalen Fachkräften; psychoedukative Angebote.
Ziele: Gerade Kinder in Ex-Jugoslawien leiden unter den vielfältigen Folgen des Krieges. Sie vermissen den Vater oder die Geschwister, erleben oft eine in vielen Bereichen überforderte Mutter, die kaum in der Lage ist, ihren Bedürfnissen von Halt und Schutz gerecht zu werden, oder entwickeln unberechtigte Schuldgefühle für den Tod von Angehörigen. Die Trauerarbeit ist gerade in Gjakova durch die Nichtauffindbarkeit von Kriegsopfern erheblich erschwert. Es wird durch Kooperation mit Lehrern sowie mit der Universität versucht, traumatisierte Kinder gezielter zu erkennen und einer Behandlung im Projekt zuzuführen. Ferner werden in Einzel- und Gruppenangeboten Modelle zur konstruktiven Konfliktlösung in einer Nachkriegsgesellschaft erarbeitet.
Situation
Die Kriege in den Ländern des ehemaligen Jugoslawien haben zehntausende von Kindern und Jugendliche traumatisiert. In Bosnien-Herzegowina waren 2,5 Millionen Menschen unmittelbar von Krieg und Flucht betroffen, im Kosovo waren es 1 Million, davon jeweils zur Hälfte Kinder und Jugendliche. Vertreibung und Flucht, das Miterleben des gewaltsamen Todes von Familienangehörigen und Freunden, Todesangst, die Ungewißheit über den Verbleib des Vaters, Onkels oder Bruders, eigene physische Verwundungen oder Vergewaltigungen – all dies hinterläßt tiefe seelische Wunden, die sich in einer Vielzahl von psychischen und somatischen Störungen, in Haß und Gewaltbereitschaft zeigen. Die gesunde Entwicklung vieler Kinder ist gestört, eine Verarbeitung und Bewältigung des Erlebten sind ohne Unterstützung empathiefähiger Erwachsener vielfach nicht möglich. Viele Jugendliche, vor allem junge Männer, die gekämpft haben, wurden im Krieg auch zu Tätern. Mit ihren Erinnerungen, ihren Gefühlen von Haß und Schuld, ihren Alpträumen müssen auch sie meist alleine zurechtkommen.
Durch Errichtung eines die Familien und Kinder stärkenden sozialen Umfeldes wird ihnen die Möglichkeit gegeben, sich individuell oder im familiären Verbund Unterstützung zu holen. Individuelle und Familientherapie bietet Kindern und ihren Familien einen geschützten Rahmen, in dem sie ihre traumatisierenden Erlebnissen bearbeiten können. Wird in der Familie über das Erlebte nicht gesprochen, d.h. es existiert ein sog. “Mauer des Schweigens”, können, wie langjährige Forschungen mit Überlebenden des Holocaust und ihren Kindern gezeigt haben, die erlebten Traumatisierungen über Generationen hinweg weitergegeben werden.
Projekt
Der großen Zahl traumatisierter Kinder und Jugendlicher im ehemaligen Jugoslawien steht nur eine kleine Zahl professioneller Helferinnen und Helfer gegenüber. Es fehlt zudem an einer Jugendsozialarbeit als präventive und konflikthemmende Breitenstrategie. Für viele Jugendliche ist die soziale Stellung prekär – ihnen fehlt es häufig an Zukunftsperspektiven und Hilfestellungen zur Wiedereingliederung. Der Mangel an Berufsausbildungs- und Beschäftigungsmöglichkeiten, das Fehlen sinnvoller Freizeitangebote führt zu Frustrationen, Wut und Aggressionen, die in selbst- oder fremdzerstörerisches Verhalten münden.
Eine friedliche Entwicklung in Südosteuropa setzt neben dem politischen und ökonomischen Wiederaufbau die innere Bereitschaft der Menschen zur Aussöhnung voraus. Hierzu will das im Oktober 2000 begonnene Projekt Trauma und Versöhnung in Gjakova einen Beitrag leisten. Gjakova wurde von den Projektträgern seinerzeit vor dem Hintergrund der zahlreichen Ermordungen und Massaker von männlichen Jugendlichen und Männern sowie dem geringen Hilfsangebot als Projektstandort ausgewählt.
Die Idee zu den Sommerspielen entstand im Jahre 2001, nachdem viele Kinder MitarbeiterInnen des Projektes gegenüber große Angst vor den dreimonatigen Sommerferien geäußert hatten. Sie fürchteten das Alleinsein und die Langeweile, die die Erinnerungen an den Krieg, den Verlust von Familienangehörigen etc. wieder so schmerzlich spürbar werden ließen.
Es wurde deutlich, daß vor dem Hintergrund der finanziellen Not viele Familien über kein Spielzeug verfügten, geschweige denn mit ihren Kindern etwas unternehmen oder in den Urlaub fahren konnten. Gerade in den ländlichen Gebieten, wo die Zahl der Kinder größer ist als in den Städten, und die Familien auf die zeitintensive landwirtschaftliche Selbstversorgung angewiesen sind, sind die Kinder während der Schulferien tagsüber meist sich selbst überlassen. Ihnen fehlt es häufig an einem altersadäquaten, spielerischen Angebot, das ihnen Halt gibt und Freude macht.























